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Frühlingsanfang 2007
- Abschied vom 21. März -
Blickt man in den späten Abendstunden des Monats März nach Osten, sieht man am Firmament nun schon wieder frühlingshafte Züge, während sich die eindrucksvollen Sternbilder des Winterhimmels bereits allmählich dem Untergang im Westen neigen. Trotzdem sind diese Sterngruppierungen abends noch gut in südwestlicher Richtung zu sehen. Zu ihnen gehören: Stier mit den Plejaden, Orion mit Beteigeuze und Rigel, Großer und Kleiner Hund mit Sirius bzw. Prokyon und die Zwillinge mit Kastor und Pollux. In großer Höhe ist Fuhrmann mit dem hellen Stern Kapella zu finden. Die Sterne dieser Konfigurationen bilden das Wintersechseck.
In östlicher Richtung stehen aber schon die typischen Frühlingsbilder über dem Horizont: Löwe mit Regulus und auch Arktur im Sternbild Bärenhüter (bzw. Bootes) werden in diesem Monat wieder sichtbar.
Der rötlich strahlende Arktur ist einer der hellsten Fixsterne der nördlichen Himmelshalbkugel. Verlängert man in Gedanken die Deichsel des Großen Wagen (Großer Bär), der sich gegenwärtig in Zenitnähe befindet, so kann man diesen Stern leicht entdecken. Neben den Sternbildern kann man derzeit noch zwei helle Objekte am Abendhimmel erkennen: Über dem westlichen Horizont zeigt sich in der Nähe des Mondes die Venus als heller gleißender Lichtpunkt und im Südosten – unweit von Regulus – steht der Ringplanet Saturn. Schon mit einem kleinen Fernrohr kann man den ausgeprägten Ring dieses großen Gasplaneten beobachten.
Aber nicht nur am nächtlichen Firmament erkennt man – astronomisch gesehen – den Frühling, sondern vor allem natürlich am Stand der Sonne. Unaufhaltsam gewinnt sie an Höhe über dem Horizont und der Bogen, den sie täglich am Himmel zurücklegt, wird bis zum Sommer immer größer.
Mit dem astronomischen Frühlingsanfang, der in diesem Jahr am 21. März um 01:07 Uhr MEZ ist, wird jener Zeitpunkt bezeichnet, an dem die Sonne während ihrer scheinbaren jährlichen Bewegung auf der Ekliptik den Himmelsäquator von Süd nach Nord überquert. Dieser Schnittpunkt wird auch Frühlingspunkt oder Widderpunkt genannt.
Zu dieser Zeit sind für alle Orte der Erde Tag und Nacht gleich lang, daher der Name Tagundnachtgleiche. Eine weitverbreitete Ansicht ist nun, dass der Frühlingsanfang immer auf den 21.03. fällt. Aber für einen längeren Zeitraum – von 2008 bis 2101 – wird das nicht mehr der Fall sein.
Auf dem Kirchenkonzil von Nicäa im Jahre 325 wurde bezüglich des Osterdatums festgelegt, dass der Frühlingsanfang immer auf den 21.03. fallen solle. Durch himmelsmechanische Einflüsse (d.h. durch die Präzession der Erdachse, vergleichbar mit einem rotierenden Kreisel) kommt es zu einer Lageveränderung der Äquatorebene in einem Zyklus von etwa 26.000 Jahren. Dies bedeutet, dass sich der Frühlingspunkt jährlich um einen ganz kleinen Winkel (ca. 50 Bogensekunden) auf der Ekliptik verschiebt.
Dieser Effekt ist die Ursache dafür, dass der Frühlingspunkt im 16. Jahrhundert bereits um 10 Tage nach vorne gerückt war. Der Gregorianische Kalender, 1582 von Papst Gregor XIII per Erlass eingeführt, beseitigte diesen Fehler durch eine Modifizierung der Schaltregeln des bis dahin verwendeten Julianischen Kalenders. Diese sieht nun so aus, dass nach wie vor jedes vierte Jahr ein Schaltjahr ist, Jahrhunderte aber eine Ausnahme bilden, außer wenn sie durch 400 teilbar sind. So war das Jahr 1900 kein Schaltjahr, obwohl es durch 4 teilbar ist – das Jahr 2000 dagegen war ein Schaltjahr, weil es durch 400 teilbar ist.
Nach 1600 wurde diese Eigentümlichkeit der Gregorianischen Schaltregel im Jahre 2000 also erst zum zweiten Male angewendet. Beim Gregorianischen Kalender beträgt damit die exakte Jahreslänge im Mittel 365,2425 Tage, was der tropischen Jahreslänge sehr nahe kommt. Die noch verbleibenden Abweichungen summieren sich erst in 3300 Jahren zu einem ganzen Tag auf.
Seit Einführung des Gregorianischen Kalenders sind alle Sonderschaltregeln mindestens einmal angewendet worden. Die nichtschaltenden Säkularjahre 1700, 1800 und 1900 haben den astronomischen Frühlingsbeginn immer wieder wirkungsvoll auf den 21. März justiert. Nahezu unbemerkt blieb aber die Sonderregel für 2000. Die Auswirkungen werden wir aber ab dem kommenden Jahr bemerken. Wir müssen uns bis zum nächsten schaltenden Säkularjahr (2100) vom 21.März verabschieden, der zunächst letztmalig 2007 den Frühlingsanfang markiert. Ab 2008 fällt er immer auf einen 20.März, zwischen 2044 und 2096 wird sogar zeitweise der 19.März erreicht. Erst im Jahre 2102 wird der astronomische Frühlingsanfang wieder auf einen 21.März fallen.
Prof. Dr. Holger Kersten

- Abbildung: Anblick des Firmaments in den Abendstunden (20:00 Uhr) des 21.03.2007.
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