Guten Morgen! Herzlich Willkommen in der Sternwarte Greifswald...
Astronomischer Jahresrückblick 2005
Blickt man derzeit abends in Richtung Osten, kann man die typischen Wintersternbilder erkennen, die einen eindrucksvollen Anblick bieten. Gegen 21 Uhr stehen die sechs hellsten Sterne, die das so genannte Wintersechseck bilden, bereits östlich vom Meridian. Dazu gehören Kapella im Sternbild Fuhrmann, Aldebaran im Stier, Rigel im Orion, Sirius im Großen und Prokyon im Kleinen Hund sowie Kastor in den Zwillingen.
Fast im Zenit kann man die Sternbilder Perseus und Kassiopeia inmitten der Milchstraße am nächtlichen Himmel auffinden. Unterhalb dieser Sternbilder lassen sich in den Abendstunden in westlicher Richtung Andromeda und Pegasus noch gut beobachten. Gegenüber der Kassiopeia – in Bezug auf den Himmelsnordpol – befindet sich in nördlicher Richtung das Sternbild Großer Wagen.
Von den Planeten des Sonnensystems kann man in diesen Dezembernächten Mars, Saturn und Jupiter gut beobachten. Mars findet man als rotes Pünktchen im Süden im Sternbild Widder. Allerdings wird er von Tag zu Tag schwächer, da er sich immer weiter von der Erde entfernt. Östlich der Zwillinge ist bereits der Ringplanet Saturn aufgegangen, während man auf Jupiter noch bis gegen 4 Uhr in der Frühe warten muss, ehe der Riesenplanet über dem Horizont zu sehen ist.
Wenn jetzt – um die Jahreswende 2005/2006 – am späten Abend die prächtigen Wintersternbilder hoch am Firmament zu sehen sind, dann ist es an der Zeit, das astronomische Jahr noch einmal kurz Revue passieren zu lassen. Im zu Ende gehenden Jahr 2005 gab es eine Reihe aufregender Himmelserscheinungen. Neben den jahreszeitlichen Konstellationen, die im Verlaufe eines jeden Jahres stets den gleichen Anblick bieten, waren es insbesondere die Objekte des Sonnensystems, die im Mittelpunkt der öffentlichen Beobachtungen in der Greifswalder Sternwarte standen – und die den Astronomie-Interessierten 2005 viel Freude machten.
Die ringförmige Sonnenfinsternis am 03.10.2005 war über Teilen Europas und Afrikas zu bewundern, von Deutschland aus konnte man sie jedoch nur als partielle Finsternis erleben. Da es an jenem Tag sehr neblig war, benötigte man zur Beobachtung der verfinsterten Sonne nicht einmal ein Sonnenfilter.
Zu den astronomischen Höhepunkten des Jahres 2005 gehörte zweifellos auch die Opposition des Planeten Mars im November. Der äußere Nachbarplanet der Erde war im Herbst die ganze Nacht über am Himmel zu sehen und zog als auffällig helles Gestirn die Blicke vieler Sternfreunde auf sich. Im Fernrohr konnten die interessierten Beobachter sogar Details wie die große Syrte, eine Tiefebene auf dem Mars, erkennen. In eine ähnlich günstige Beobachtungsposition wird der Planet erst wieder 2020 gelangen.
Allen an der Astronomie interessierten Lesern wünsche ich auf diesem Wege ein gesundes und erfolgreiches Neues Jahr 2006, in dem wir auf viele klare Beobachtungsnächte und weiterhin viele Besucher in der Greifswalder Sternwarte hoffen.
Dr. Holger Kersten

- Abbildung: Ansicht des Sternenhimmels Ende Dezember 2005
für Berichte und Bilder zurückliegender Ereignisse und Veranstaltungen bitte ins Archiv