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Das Wintersechseck
Blickt man in diesen Tagen abends in Richtung Süden, so kann man die Sternbilder des Winterhimmels in voller Pracht erkennen: Stier mit dem Hauptstern Aldebaran, der eindrucksvolle Orion mit Beteigeuze und Rigel, der Große Hund mit dem schillernden Sirius, der Kleine Hund mit Prokyon und die Zwillinge mit Kastor und Pollux. Ganz hoch, fast im Zenit, steht der Fuhrmann mit dem hellen Stern Kapella. Die Sterne dieser Konstellationen bilden ein großes Sechseck am Himmel - das so genannte Wintersechseck.
Der hellste dieser Sterne ist Sirius, seine Entfernung zu uns beträgt ,,nur“ 9 Lichtjahre. Obwohl er in Mitteleuropa seine Kulmination nur etwas mehr als 20° über dem Horizont erreicht, fällt er trotzdem jedem aufmerksamen Beobachter des Sternhimmels sofort auf. Sirius ist der hellste Fixstern, den wir am Himmelsgewölbe sehen können. Sein Licht ist weiß, es wird aber durch die Luftunruhe der Erdatmosphäre in Horizontnähe so beeinflusst, dass dieser Stern oft in allen Farben des Regenbogens schillert. Daher rührt auch der Name Sirius, was soviel wie „der Glänzende“ bedeutet. Sirius, der etwa zweimal so groß ist wie die Sonne, wird noch von einem lichtschwachen Begleiter umlaufen. Dabei handelt es sich um einen Weißen Zwerg. Das ist ein Ministern von der Größe der Erde, dessen Masse aber fast so groß wie die der Sonne ist. Seine mittlere Dichte ist infolgedessen unvorstellbar groß. Eine Streichholzschachtel, gefüllt mit der Materie des Siriusbegleiters, hätte die Masse von einigen Tonnen.
Kastor und Pollux sind die beiden hellsten Sterne in den Zwillingen. Sie sind etwa 45 bzw. 35 Lichtjahre von uns entfernt. Auf den ersten Blick erscheinen beide Sterne wirklich so ähnlich wie Zwillinge. Schaut man jedoch genauer hin, erkennt man kleine Unterschiede in der Helligkeit und Farbe. Beobachtungen mit großen Fernrohren zeigen noch mehr: Pollux ist ein riesiger Einzelstern, während Kastor ein kompliziertes Sechsfachsystem ist.
Beim Sternbild Stier braucht man etwas Vorstellungskraft, um in der Anordnung der Sterne den Kopf und die Hörner eines wütenden Stieres zu erkennen. Das blutunterlaufene Auge des Tieres ist der rötlich leuchtende Stern Aldebaran. In diesem Sternbild befinden sich zwei der schönsten offenen Sternhaufen. Die Plejaden, die auch als Siebengestirn bezeichnet werden, kann man bereits mit bloßem Auge gut beobachten. Man erkennt problemlos einige Sterne, doch umfasst dieser Haufen über 300 Objekte. Nicht weit von den Plejaden, um den Hauptstern Aldebaran herum, findet man einen weiteren offenen Sternhaufen. Das sind die Hyaden, die man auch die „Regensterne“ nennt. Dieser Sternhaufen ist etwa 130 Lichtjahre von uns entfernt.
Das prächtige Sternbild Orion ist eines der schönsten am ganzen Firmament und als typisches Wintersternbild am besten in den Nächten von Dezember bis Februar zu sehen.Von den acht Sternen, die die charakteristische Figur des Orion bilden, sind der rötlich schimmernde Beteigeuze (Schulterstern) und der weiße Rigel (linker Fuß) die hellsten Objekte. Beteigeuze hinterlässt innerhalb dieses Sternbildes wohl den stärksten Eindruck, es handelt sich hierbei um einen Überriesen. Sein Durchmesser entspricht dem vierhundertfachen Sonnendurchmesser. Würde man unser Sonnensystem konzentrisch in diesen Stern versetzen, so fänden die Sonne und die Planetenbahnen bis einschließlich des Mars darin Platz. Die drei in der Mitte des Sternbildes eng zusammenstehenden Sterne bilden den „Gürtel“ des Orion. Unterhalb dieses „Gürtels“ kann man in klaren Nächten einen diffusen hellen Fleck erkennen, den bekannten Orionnebel. Das ist eine gigantische Gasansammlung von mehr als 700 Sonnenmassen, die das „Baumaterial“ für die Bildung neuer Sterne liefert.
Schon mit einem kleinen Fernglas kann man gut den Orionnebel im Orion und die Plejaden - einen offenen Sternhaufen im Sternbild Stier - beobachten.
Das Wintersechseck wird derzeit von zwei Planeten „eingerahmt“. Westlich findet man den rötlich funkelnden Mars und in östlicher Richtung den Ringplaneten Saturn.
Die Karte zeigt den Anblick des Sternhimmels, wie er sich dem Beobachter in den Abendstunden Ende des Monats Januar 2006 darbietet. Nähere Informationen können Sie, liebe Leser, bei einem Besuch der Greifswalder Sternwarte bzw. telefonisch unter 03834/864708 erhalten.
Dr. Holger Kersten

- Abbildung: Sternenhimmel Ende Januar 2006. Das Wintersechseck steht hoch im Süden.
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