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Frühling auch am Sternenhimmel

Venus zeigt sich in den Morgenstunden

Entsprechend der Jahreszeit beherrschen nun die Frühlingssternbilder Bärenhüter, Löwe und Jungfrau das Firmament. Diese drei Konstellationen  sind  hoch  über  dem  Südhorizont zu sehen – wobei  das  langgestreckte Drachenviereck des Bärenhüters, den man auch Bootes nennt, eines der schönsten Sternbilder ist. Der rötlich funkelnde Arktur, Hauptstern in diesem Sternbild, gehört zu den hellsten Fixsterne am nördlichen Firmament. Verlängert man in Gedanken die Deichsel des Großen Wagen, der zu dieser Jahreszeit fast im Zenit steht,so findet man diesen Stern ganz leicht.

Auch Spica im Sternbild Jungfrau und Regulus im Löwen fallen durch ihre Helligkeit sofort ins Auge. Diese drei Sterne bilden das sogenannte ,,Frühlingsdreieck“.

Während im Osten die Sommersternbilder Herkules, Leier, Schwan und Adler im Laufe der Nacht über den Horizont heraufkommen, verschwinden im Westen die Wintersternbilder bereits in der Abenddämmerung.  Nur die Zwillinge und der Fuhrmann sind noch tief im Nordwesten zu erkennen.
Dem aufmerksamen Beobachter werden jedoch noch einige weitere helle Gestirne am nächtlichen Himmel im Mai auffallen: Am Abend sind dies die Planeten Mars, Jupiter und Saturn. Während der rötliche Mars rasch im Westen untergeht, kann man den Ringplaneten Saturn im Krebs noch bis Mitternacht beobachten und Jupiter, den Riesen unter den Planeten des Sonnensystems, ist fast die ganze Nacht über zu sehen. Er steht derzeit zwischen Jungfrau und Waage. Schaut man dagegen in den frühen Morgenstunden in östlicher Richtung, so wird einem sofort die gleißende Venus ins Auge fallen.

Dem ersten Anschein nach ist die Venus in manchem ein Zwilling der Erde. Sie hat eine ähnliche Masse, fast denselben Durchmesser und somit auch dieselbe Dichte, was auf einen vergleichbaren Aufbau hindeutet. Und doch sind die Bedingungen an der Oberfläche dieses Planeten ganz anders. Die Atmosphäre besteht fast vollständig aus Kohlendioxyd. Auf der Oberfläche herrschen auf Grund des Treibhauseffektes Temperaturen von fast 500°C und die mächtige Atmosphäre übt einen Druck von rund 90 Atmosphären aus, was ungefähr dem irdischen Druck in 900 Meter Wassertiefe entspricht. Eine dichte Wolkenschicht verwehrt außerdem den Blick auf die Oberfläche der Venus. Selbst mit den größten Fernrohren kann man keinerlei Einzelheiten erkennen.

Trotzdem versuchen Forscher schon seit langem herauszufinden, warum die Bedingungen auf der Venus so extrem sind – und damit vielleicht auch die Entwicklung der Erde besser zu verstehen. Für die europäische Raumfahrtbehörde ESA war das der Grund, eine eigene Venussonde zu entwickeln, die am 09.11.2006 gestartet wurde und nach 153 Tagen Reisezeit am 11.04.2006 schließlich in eine Umlaufbahn um die Venus einschwenkte. Die Umlaufbahn des Venus-Express ermöglicht dabei die Untersuchung aller Schichten der Atmosphäre. Bis zum Juni sollen die Systemtests abgeschlossen sein, damit die wissenschaftliche Arbeit beginnen kann.
 
Mittlerweile wurden aus mehr als 200.000 Kilometer Entfernung bereits Ultraviolett- und Infrarotbilder der Südpolarregion auf der Nachtseite der Venus aufgenommen, wie sie bisher noch nie zur Erde übertragen wurden. Die Aufnahmen zeigen deutliche spiralförmige Wirbelstrukturen über dem Südpol. Man darf sicherlich auf die nächsten Ergebnisse dieser Venus-Sonde gespannt sein – in der Hoffnung, dass die „Schwester“ der Erde demnächst zumindest einige ihrer Geheimnisse preisgibt.

Mehr über den Sternhimmel und die Planeten können Sie, liebe Leser, bei einem Vortrag und Besuch in der Sternwarte erhalten. Am 18.05.2006 um 20:00 Uhr spekuliert Dr. Bernd Pompe über „Die Akte Astrologie – Was ist dran an astrologischen Interpretationen?“. Interessenten sind dazu herzlich eingeladen.

Holger Kersten

Abbildung: Venus-Express in der Umlaufbahn

 

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letzte Aktualisierung: 19.12.07 11:19 Page: 26