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Mars – der rote Nachbarplanet der Erde
Derzeit beherrschen die typischen Herbststernbilder das nächtliche Firmament: Hoch im Süden stehen das große Viereck des Pegasus und der lang gezogene Bogen der Andromeda. Im Westen gehen am Abend die Sommersternbilder Schwan, Leier und Adler unter, während im Osten bereits die Wintersternbilder Fuhrmann, Stier und Zwillinge heraufziehen.
Das Auffälligste am nächtlichen Firmament ist in diesen Tagen jedoch etwas anderes: Von den Planeten des Sonnensystems ist in diesem Monat eindeutig der Mars das Highlight. Anfang November 2005 steht er in Opposition zur Sonne und erreicht einen sehr geringen Abstand zur Erde. Damit ist der rote Nachbarplanet nach dem Mond gegenwärtig das hellste Objekt am nächtlichen Himmel.
Während der Opposition überholt die Erde auf ihrer sonnennäheren Bahn den äußeren, langsameren Mars. Dann befindet sich die Erde genau zwischen Sonne und Planet, der Mars steht also der Sonne gegenüber und kann somit die ganze Nacht hindurch beobachtet werden. Mars-Oppositionen, bei denen die Entfernung zwischen beiden Planeten am geringsten ist, finden etwa alle 2,2 Jahre statt. Da die Bahn des Planeten Mars um die Sonne eine größere Exzentrizität (d.h. Abweichung von der Kreisform) aufweist als die Bahn der Erde, kann diese minimale Distanz während einer Opposition unterschiedlich ausfallen. Abhängig davon, ob sich der Mars dann im sonnenfernsten oder im sonnennächsten Punkt seiner Bahn befindet, betragen die Abstände zwischen den beiden Planeten zur Opposition 101 Mio. km bzw. 56 Mio. km. Nachdem bei der letzten Opposition im August 2003 ein minimaler Abstand von „nur“ 55,76 Mio. km erreicht wurde, fällt die Distanz in diesem Jahr mit knapp 70 Mio. km etwas größer aus. Die diesjährige Opposition ist für die Beobachter auf der nördlichen Halbkugel der Erde aber deshalb so günstig, weil der rote Planet besonders hoch am Himmel steht. 2003 stand er der Erde zwar sehr nahe, blieb aber für die Beobachter in unserer Region nur ziemlich tief am Horizont. Man sollte also die Gelegenheit in diesem Jahr für Marsbeobachtungen nutzen, denn die folgenden Oppositionen dieses Planeten fallen ungünstiger aus.
Mit einem Durchmesser von knapp 7000km ist der Mars wesentlich kleiner als die Erde.
Um die Sonne einmal zu umkreisen, benötigt der Mars 1 Jahr und 10 Monate. Eine Rotation, d.h. ein Tag auf diesem Planeten, dauert mit 24 Stunden und 37 Minuten etwas länger als ein Tag auf der Erde. Ähnlich wie bei uns gibt es auch auf dem Mars Jahreszeiten, da seine gefrorenen Polkappen abwechselnd der Sonne zugewandt sind – die Durchschnittstemperatur liegt bei -22°C. Er besitzt eine dünne Atmosphäre, die hauptsächlich aus Kohlendioxid besteht. Da solch eine dünne Atmosphäre nur eine geringe Wärmespeicherkapazität hat, gibt es auf dem Mars extreme Temperaturschwankungen. Die Oberfläche des Planeten besteht aus Sand und Geröll. Im Marssommer kann es zu gewaltigen Sandstürmen kommen, die den ganzen Planeten innerhalb von wenigen Stunden einhüllen können. Tiefe Ebenen mit Kratern wechseln sich mit Bergen, zum Teil riesigen Vulkanen, ab. Mit einer Höhe von 26 km gibt es auf dem Mars sogar den höchsten Berg im Sonnensystem. Dabei handelt es sich um einen riesigen Schildvulkan, der den Namen „Olympus Mons“ trägt. Die rötliche Färbung des Mars, die man von der Erde aus sehen kann, liegt am Eisenoxidgehalt seiner Oberfläche. Man könnte mit einigem Recht von einem „verrosteten“ Planeten sprechen.
Der Planet steht derzeit im Sternbild Widder. In den Abendstunden kann man den hellen Planeten im Südosten und um Mitternacht im Süden gut beobachten. Alle interessierten Sternfreunde sind am 17.11.2005 um 20:00 zu einem Vortrag von Lars Stephan über den Mars mit anschließender Beobachtung in die Sternwarte Greifswald, Domstr.10a, eingeladen.
Dr. Holger Kersten

- Abbildung:
Der rote Nachbarplanet Mars, kurz vor der letzten Opposition im August 2003
vom Hubble Space Telescope (HST) aufgenommen. (Quelle: NASA)
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