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Merkurdurchgang vor der Sonne am 07.05.2003
Das seltene Ereignis eines Merkurtransits kann man in den Vormittagsstunden des 07.05.2003 verfolgen. Der sonnennächste Planet Merkur wird dann als kleiner dunkler Punkt vor der Sonnenscheibe vorbeiziehen.
Merkur kreist als innerster Planet des Sonnensystems weit innerhalb der Erdbahn in 88 Tagen um unser Zentralgestirn.
Da sich die Erde in dieser Zeit ebenfalls auf ihrer jährlichen Bahn um die Sonne weiterbewegt, dauert es etwa 116 Tage, bis der schnelle Merkur die Erde auf seiner sonnennäheren Bahn überholt. Dann befindet er sich zwischen Sonne und Erde, man spricht von der unteren Konjunktion. Zu einem Durchgang des Merkur vor der Sonne kommt es nun genau dann, wenn Sonne, Planet und Erde exakt auf einer Linie stehen. Aber keinesfalls bei jeder unteren Konjunktion tritt ein solches Ereignis ein. Dies liegt darin begründet, dass die Merkurbahn nicht genau in der Erdbahnebene (Ekliptik) verläuft, sondern um etwa 7° gegen diese geneigt ist. Nur wenn sich der Merkur während seiner unteren Konjunktion in der Nähe eines Schnittpunktes seiner Bahn mit der Erdbahn befindet, tritt ein Transit auch wirklich ein. Dies ist vergleichbar mit einer Sonnenfinsternis, wenn sich der Mond vor die Sonne schiebt. Da aber wegen der weitaus größeren Entfernung des Merkur dieser Planet für einen Beobachter auf der Erde viel kleiner als der Mond erscheint, wird sich die Sonne nicht verfinstern – sondern wir werden Merkur nur als kleines, dunkles Scheibchen über die Sonne hinwegziehen sehen.
Theoretisch können Merkurdurchgänge nur um den 09.05. bzw. um den 11.11. stattfinden, weil sich zu diesen Zeitpunkten die Schnittpunkte der Merkurbahn mit der Erdbahn genau vor der Sonne befinden. Aber nicht zu jedem dieser Daten steht auch der Merkur an diesen Positionen. Das ist nur selten der Fall. Wenn nun diese beiden Bedingungen erfüllt sind – und außerdem die Sonne zu diesem Zeitpunkt über dem Horizont steht – kann man dieses spektakuläre Himmelsschauspiel beobachten. Deshalb waren von den 8 Merkurdurchgängen seit 1950 nur 3 in Deutschland sichtbar, der letzte vor fast 30 Jahren am 10.11.1973. Der nächste Transit wird für Beobachter in unserer Region erst wieder am 09.05.2016 zu sehen sein.
Der Transit am 07.05.2003 beginnt in ganz Europa erst nach Sonnenaufgang und endet um die Mittagszeit. Somit haben wir – vorausgesetzt das Wetter spielt mit – ideale Beobachtungsbedingungen. Für das Ereignis am 07.05. sind die Daten für Greifswald und Umgebung wie folgt: Um 07:13 Uhr MESZ berührt der Merkur den östlichen (linken) Rand der Sonne. Um 07:17 Uhr beginnt dann die „Reise“ über die Sonnenscheibe, die um 09:52 Uhr ihr Maximum erreicht haben wird und bis 12:27 Uhr andauert. Dann verlässt der kleine Planet die Sonne am westlichen (rechten) Rand und ist gut vier Minuten später (12:34 Uhr) verschwunden. Allerdings wandert der Merkur nicht zentral über die Sonne, sondern in der nördlichen (oberen) Hälfte. Unter Umständen kann das Merkurscheibchen für den ungeübten Beobachter mit Sonnenflecken verwechselt werden. Aber während sich der Merkur relativ schnell über die Sonne bewegt, erscheinen die Sonneflecken über einen Zeitraum von wenigen Stunden praktisch ortsfest. Weil der Planet Merkur von der Erde aus gesehen nur einen scheinbaren Winkeldurchmesser von 13 Bogensekunden aufweist, kann man den Durchgang mit bloßen Augen leider nicht beobachten. Man benötigt ein Teleskop mit mindestens 50facher Vergrößerung, um den Planeten als winzigen schwarzen Punkt vor der vergleichsweise großen Sonnenscheibe vorbeiwandern zu sehen. Deshalb werden wir bei gutem Wetter mit Hilfe des Fernrohres die Sonne projizieren und so die Beobachtung des Merkurdurchgangs ermöglichen. Da der Transit am 07.05. zur besten Tageszeit stattfindet, sollten sich Interessierte dieses Himmelsschauspiel nicht entgehen lassen. Man darf jedoch nie mit ungeschützten Augen die Sonne beobachten und auf keinen Fall mit einem Fernrohr direkt in die Sonne schauen – gefährliche Augenverletzungen und Erblindung können die Folge sein!
Die Greifswalder Sternwarte gibt gerne Informationen (Tel. 03834/864708) und ist am 07.05.2003 ab 10:00 Uhr für Besucher geöffnet. Die Sternwarte befindet sich auf dem Turm des Physikalischen Instituts in der Domstr.10a, direkt hinter dem Hauptgebäude der Universität. Bleibt nur auf klares Wetter zu hoffen, um den Merkurdurchgang gut sehen zu können!
Dr. Holger Kersten