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Der Orionnebel – ein Geburtsort für neue Sterne

In  den  Abendstunden des Monats Februar stehen die eindrucksvollen  Sternbilder  des Winterhimmels in südlicher Richtung hoch über dem  Horizont: Stier, Orion,  Großer und  Kleiner Hund, sowie die Zwillinge und Fuhrmann. Die hellsten Sterne dieser Konstellationen bilden am Himmel ein großes Sechseck – das so genannte „Wintersechseck“.

Vom Zenit aus in nordwestlicher Richtung sieht man die Sternbilder Perseus  und Kassiopeia (das „Himmels-W“) ebenfalls in großer Höhe  am nächtlichen  Firmament.  Der Große Wagen, das bekannteste  Sternbild in unseren Breiten, steht  im Nordosten,  während sich über dem  östlichen  Horizont bereits das imposante Frühlingssternbild des Löwen erhebt. Sirius im Großen Hund, der  hellste  Fixstern am Firmament, erreicht in dieser Jahreszeit seinen  höchsten Punkt. Trotzdem ist seine Höhe über dem  Südhorizont relativ gering. Das führt dazu, daß der Stern auf Grund der  Luftunruhe  in Horizontnähe oft in allen Farben des  Regenbogens  schimmert.  Tief im Westen schließlich sinkt Pegasus unter den Horizont, unmittelbar gefolgt von  Andromeda.

Im Sternbild Zwillinge findet man derzeit ein helles Objekt, das nicht zu übersehen ist: Es handelt sich dabei um den Ringplaneten Saturn. Später, gegen 22 Uhr erscheint dann über dem Osthorizont auch Jupiter, der größte unter den Planeten des Sonnensystems, als auffälliges Gestirn.Das prächtige  Sternbild  Orion ist zweifellos eines der schönsten am ganzen Sternenhimmel, es ist als typisches Wintersternbild am besten in den Nächten von Dezember bis März zu sehen. Die vielen interessanten Objekte, die es in diesem Sternbild gibt, sind also in diesen Tagen besonders gut zu beobachten.

Die griechische Sagenwelt kennt den Jäger Orion, der – von seinen beiden Hunden (ebenfalls zwei Sternbilder) treu begleitet – gegen den wilden Stier kämpft. Im Auftrag der Jagdgöttin Artemis wurde Orion durch  den Giftstachel eines Skorpions getötet und mitsamt dem Skorpion an den Himmel versetzt. Aber selbst da flieht der legendäre Jäger noch vor dem giftigen Insekt. Beide Sternbilder sind niemals gleichzeitig sichtbar. Steht das Sternbild Skorpion über dem  Horizont, befindet sich das Sternbild Orion unterhalb des Horizonts.  Erst lange nachdem der Skorpion untergegangen ist, kommt Orion am Himmel herauf.

Von  den  acht  Sternen,  die  die charakteristische Figur des Orion  bilden, sind der rötlich schimmernde Beteigeuze (linker Schulterstern) und der weiße Rigel (rechter Fuß) die hellsten. Die Namen dieser Sterne stammen aus dem Arabischen. Beteigeuze hinterlässt innerhalb dieses Sternbildes wohl den stärksten  Eindruck,  es  handelt sich hierbei um einen so genannten Überriesen. Sein Durchmesser entspricht dem vierhundertfachen Sonnendurchmesser.  Würde  man  unser Sonnensystem konzentrisch in diesen Stern versetzen, so fänden die Sonne und die Planetenbahnen bis einschließlich des Mars darin Platz.

Die drei in  der  Mitte  des  Sternbildes eng zusammenstehenden Sterne bilden den „Gürtel“  des Orion. Unterhalb dieses  „Gürtels“  kann  man  in klaren Nächten bereits mit bloßem Auge einen kleinen diffusen Fleck erkennen: den bekannten Orionnebel, der die Katalogbezeichnung M42 trägt. Die Entfernung zu diesem Nebel beträgt etwa 1.600 Lichtjahre, sein Durchmesser ist größer als 10 Lichtjahre. Die Gesamtmasse des Nebels, der 1610 von einem französischen Astronomen entdeckt wurde, dürfte etwa 700 Sonnenmassen betragen. Es handelt sich bei diesem Objekt um eine gigantische Ansammlung von interstellarem Gas und Staub, das das „Baumaterial“ für  die Bildung neuer Sterne ist. Der Orionnebel gilt als typisches Beispiel für interstellare Wolken, in denen sich laufend Prozesse der Sternentstehung abspielen. Das Alter von M42 beträgt höchstens einige Millionen Jahre. Entsprechend sind die Sterne in diesem Nebel (astronomisch gesehen) noch sehr jung. Besonders auffällig sind die vier Sterne, die im Zentrum des Orionnebels die Form eines kleinen Trapezes bilden. Das sind sehr heiße, erst vor relativ kurzer Zeit entstandene Sterne. Das Alter der Sonne beträgt im Vergleich dazu etwa 4.5 Milliarden Jahre. Die Ultraviolettstrahlung dieser heißen Sterne ist es auch, die das Gas des Orionnebels zum Leuchten anregt. Im Fernrohr lassen sich zahlreiche bizarre Strukturen in dieser interstellaren Wolke  erkennen.

Vielleicht schauen Sie, liebe Leser, bei einem Besuch der Greifswalder Sternwarte auch einmal zu den Wundern des Sternenhimmels, z.B. am 03.03. oder am 17.03.2005 (jeweils 20 Uhr). Nähere  Informationen können Sie auch telefonisch unter 03834/864708 erhalten.

Dr. Holger Kersten

Abbildung: Detaillierte Aufnahmen des Orionnebels, wie er auf Fotos des Hubble Space Teleskops (links) und im Fernrohr der Greifswalder Sternwarte (rechts) zu sehen ist.

 

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letzte Aktualisierung: 19.12.07 11:19 Page: 35