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Strahlende Venus und Mond bei Saturn
Entsprechend der Jahreszeit beherrschen in diesen Wochen die Frühlingssternbilder Bärenhüter, Löwe und Jungfrau das Firmament. Diese drei Konstellationen sind hoch über dem Südhorizont zu sehen – wobei das langgestreckte Drachenviereck des Bärenhüters, den man auch Bootes nennt, eines der schönsten Sternbilder ist. Der rötlich funkelnde Arktur, Hauptstern in diesem Sternbild, gehört zu den hellsten Sternen am nördlichen Firmament. Verlängert man in Gedanken die Deichsel des Großen Wagen, der zu dieser Jahreszeit fast im Zenit steht, so findet man diesen Stern ganz leicht. Auch Spica im Sternbild Jungfrau und Regulus im Löwen fallen durch ihre Helligkeit sofort ins Auge. Diese drei Sterne bilden das sogenannte ,,Frühlingsdreieck“.
Während im Osten die Sommersternbilder Herkules, Leier, Schwan und Adler im Laufe der Nacht über den Horizont heraufkommen, verschwinden im Westen die Wintersternbilder bereits in der Abenddämmerung. Nur die Zwillinge und der Fuhrmann sind noch tief im Nordwesten zu erkennen. Im Norden hat jetzt die Kassiopeia – das ,,Himmels-W“ – ihren tiefsten Stand erreicht, während der Große Wagen, der in Bezug auf den Polarstern der Kassiopeia genau gegenüber steht, seinen höchsten Punkt im Jahreslauf einnimmt.In westlicher Richtung glänzt die Venus als heller „Abendstern“, sie ist nach Sonne und Mond derzeit das auffälligste Objekt am Firmament. Sie erreicht in diesem Monat den Gipfel ihrer scheinbaren Bahn durch den Tierkreis und ist daher bis Mitternacht gut zu sehen.Etwa in der Mitte zwischen Merkur und Erde, in einer mittleren Sonnenentfernung von 108 Millionen Kilometern, verläuft die Bahn der Venus. Für einen Umlauf um unser Zentralgestirn benötigt dieser Planet 225 Tage, d.h. ein Venusjahr beträgt knapp zwei Drittel eines Erdenjahres. In Größe, Masse und physischer Beschaffenheit ist die Venus der Erde sehr ähnlich. Damit erschöpfen sich aber bereits die Ähnlichkeiten mit unserem Heimatplaneten. Schon die „tägliche“ Bewegung des inneren Nachbarplaneten ist recht eigentümlich, denn die Venus rotiert sehr langsam. Sie braucht für eine Umdrehung, die bei ihr ungewöhnlicherweise von Ost nach West abläuft, 243 Tage. Man spricht deshalb von rückläufiger oder retrograder Rotation. Auf der Venus geht demnach die Sonne im Westen auf und im Osten unter – und das etwa alle 120 Tage.Obwohl man die Venus gut von der Erde aus beobachten kann, erkennt man selbst im stärksten Fernrohr keinerlei Einzelheiten. Das liegt daran, dass die Oberfläche stets von einer dicken Wolkenschicht verschleiert ist. Die dichte Atmosphäre besteht hauptsächlich aus Kohlendioxid und Schwefelsäure. Die Wolken lassen die Wärmestrahlung der Sonne zwar ziemlich gut hindurch, behindern aber die Ausstrahlung vom Venusboden. Auf Grund dieses „Treibhauseffektes“ herrschen auf der Venus Temperaturen von bis zu 500°C. Darüber hinaus ist die Venusatmosphäre von rasenden Stürmen und Gewittern erfüllt. Außerdem gibt es eine rege Vulkantätigkeit, wodurch ständig Gase und Dämpfe in die Atmosphäre des Planeten gelangen. Der Druck an der Oberfläche der Venus ist etwa 100mal größer als der Luftdruck an der Erdoberfläche. Unter ihrem Wolkenschleier offenbart der Planet also eine lebensfeindliche und unwirtliche Umgebung. Schönheit und Anmut der römischen Liebesgöttin Venus, die unserem Nachbarplaneten ihren Namen gab, findet man demnach dort nicht. Der bloße Anblick dieses gleißenden Planeten hat allerdings schon etwas Erhabenes und Anmutiges.Von den anderen Planeten kann man in diesem Monat noch Jupiter und Saturn gut beobachten. Jupiter, der größte der Planeten des Sonnensystems, steht im Sternbild Schlangenträger. Am Monatsanfang geht er kurz vor Mitternacht und am Monatsende gegen 22 Uhr im Osten auf.Der Ringplanet Saturn ist ebenfalls gut am Himmel in südwestlicher Richtung zu sehen. Er wandert gemächlich durch das Sternbild Löwe und nähert sich Regulus. In den Abendstunden des 22.Mai wird Saturn vom zunehmenden Mond bedeckt, ein seltenes Himmelsereignis. Die Bedeckung beginnt gegen 21.15 Uhr. Saturn taucht dann um 22.25 Uhr am Westrand des Mondes wieder auf. Der Mondlauf erfolgt von West nach Ost. Die Bedeckung beginnt somit am dunklen Ostrand des Mondes, von der Nordhalbkugel der Erde aus betrachtet also der linke Rand. Ein Fernglas erleichtert die Beobachtung dieser Planetenbedeckung ungemein.Nähere Informationen kann man bei einem Besuch der Greifswalder Sternwarte bzw. telefonisch unter 03834/864708 bzw. 03834/554415 erhalten.
Prof. Dr. Holger Kersten
