Guten Morgen! Herzlich Willkommen in der Sternwarte Greifswald...
...und sie bewegt sich doch!…
Dieser Ausspruch, der Galileo Galilei zugeschrieben wird, ist ohne weiteres gar nicht so einfach zu beweisen. Natürlich weiß heutzutage jedes Schulkind, dass unsere Erde um ihre Achse rotiert und wir uns wie auf einem riesigen Karussell mit ihr drehen. Und tatsächlich beobachten wir indirekt diese Bewegung: Morgens geht die Sonne im Osten auf, erreicht mittags im Süden ihren höchsten Stand und geht abends im Westen unter. Auch des Nachts erleben wir, wie der Mond, die Planeten und auch die meisten Sternbilder auf- und untergehen.
Jetzt im Juli beherrschen beispielsweise die typischen Sommersternbilder das nächtliche Firmament: Hoch im Südosten steht eines der schönsten Sternbilder des gesamten Himmels – der Schwan mit dem Hauoptstern Deneb. Wegen seiner charakteristischen Form wird dieses Sternbild manchmal auch als ,,Kreuz des Nordens“ bezeichnet. Südlich des Schwans findet man das Sternbild Adler. Atair, der hellste Stern im Adler und Wega, der Hauptstern der Leier, bilden gemeinsam mit Deneb das imposante ,,Sommerdreieck“.
Westlich des Schwans stehen die Leier und Herkules sowie die Nördliche Krone und der Bärenhüter mit dem Hauptstern Arktur. Schon in der Abenddämmerung werden Arktur im Südwesten und Wega im Südosten als helle Sterne einer schönen Sommernacht sichtbar. Tief im Süden, nur knapp über dem Horizont, findet man das Sternbild Schütze inmitten der Milchstraße. Es gehört ebenso wie der Skorpion zu denjenigen Tierkreissternbildern, die sich bereits südlich des Himmelsäquators befinden. Im Osten kommen die Sternbilder Pegasus und Andromeda bereits über den Horizont, während in nordwestlicher Richtung der Große Wagen auf seine tiefste Position zusteuert.
Von den Planeten sind derzeit in den späten Abendstunden Venus, Saturn und Jupiter zu beobachten. Venus und Saturn stehen dicht beieinander schon ziemlich tief im Westen und Jupiter ist gut über dem Südhorizont zu sehen.
Aber – wie schon erwähnt – dieser Anblick verändert sich im Laufe der Nacht. Früher glaubte man, dass sich der Himmel um die Erde dreht, doch heute wissen wir, dass es sich dabei nur um eine scheinbare Bewegung handelt, die durch die Drehung der Erde hervorgerufen wird. Aber wie kann man das beweisen?
Dazu benötigt man von der Himmelsbeobachtung unabhängige Experimente, wie sie z.B. der französische Physiker Leon Foucault im Jahre 1851 durchgeführt hat. Dazu hängte er ein 28kg schweres und 67m langes Pendel im Pariser Pantheon auf und beobachtete dessen Bewegung. Da die Schwingungsdauer eines solchen Pendels genügend lang ist, kann man bereits nach wenigen Minuten deutlich erkennen, dass sich der Erdboden unter der Schwingungsebene des Pendels dreht. Würde sich solch ein Foucault’sches Pendel direkt am Nordpol befinden, so würde man beobachten, dass die Schwingungsebene an einem Tag eine komplette Umdrehung vollführt, da sich die Erdkugel einmal unter dem Pendel hinweg gedreht hat. Für die geographische Breite von Greifswald (54° N) dauert es etwas länger, hier benötigt die Pendelebene etwa 30 Stunden für eine volle Umdrehung. Foucault’sche Pendel findet man in vielen Museen und Universitäten auf der Welt, so z.B. auch im Greifswalder Physikalischen Institut. Bis vor kurzem hing es noch im Turm des alten Institutsgebäudes in der Domstraße, inzwischen ist es im neuen Gebäude in der Felix-Hausdorff-Straße zu bewundern.
Übrigens: Astronomie-Interessierte können bei einem Web-Quiz mitmachen, der vom Greifswalder Sternwarte e.V. mitgestaltet wurde, nähere Informationen findet man dazu unter http://www.sweets2007.eu/
Prof. Dr. Holger Kersten
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