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2009 ist das Internationale Jahr der Astronomie
Das gerade begonnene Jahr 2009 ist für die Astronomie-Interessierten auf der ganzen Welt ein ganz besonderes Jahr, denn es wurde von der 62. Generalversammlung der Vereinten Nationen zum „Internationalen Jahr der Astronomie“ ausgerufen. Wie es in der Erklärung heißt, ist es das Anliegen, „das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Bedeutung der astronomischen Wissenschaften zu schärfen und weiten Kreisen den Zugang zu den aus der astronomischen Beobachtung gewonnen neuen Kenntnissen und Erfahrungen zu erschließen“. Diesem Anliegen werden sich viele Forschungsinstitute, Planetarien, Sternwarten und astronomische Vereine widmen – nicht zuletzt wird auch der „Greifswalder Sternwarte e.V.“ in diesem Rahmen eine Reihe von Veranstaltungen anbieten. Der Anlass, gerade das Jahr 2009 als Astronomie-Jahr auszurufen, ist historischer Art: Es ist genau 400 Jahre her, dass im Jahre 1609 mit Galileo Galilei erstmals ein Mensch ein Fernrohr zur Beobachtung des gestirnten Himmels verwendet hat. Auch in Greifswald hat die Astronomie eine weit zurückreichende Tradition. Vor nunmehr fast 85 Jahren – im Juli 1924 – wurde am Physikalischen Institut der Greifswalder Universität die Sternwarte eingerichtet. Aber das Fach Astronomie gab es an der Universität natürlich schon lange vorher. Mit der Berufung des Mathematikers, Physikers und Baumeisters Andreas Mayer (1716-1782) begann dann die erste Epoche der wissenschaftlichen Astronomie in Greifswald. Mayer wird manchem als Erbauer des Greifswalder Universitätshauptgebäudes mit der Aula bekannt sein. Um eine rege astronomische Tätigkeit zu entfalten, genügte es jedoch nicht, nur einen bekannten Wissenschaftler an die Universität zu verpflichten, man benötigte auch eine Sternwarte für regelmäßige Himmelsbeobachtungen. Bei der Errichtung des ersten Observatoriums verwirklichte man den Vorschlag von Lambert H. Röhl (1733-1790) – dem Nachfolger Mayers –, den unmittelbar am Ryck gelegenen Pulverturm zur Sternwarte auszubauen, so dass im Jahre 1775 mit den Beobachtungen begonnen werden konnte. Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts diente diese Sternwarte einer regen Forschungs- und Ausbildungstätigkeit. Ab 1807 wurde das Gebäude durch französische Truppen für militärische Belange zweckentfremdet; während dieser Zeit verschwanden eine Reihe wertvoller Instrumente und das Observatorium erlitt einen langsamen Niedergang. Schließlich gab es seit 1825 in Greifswald keine astronomische Beobachtungsmöglichkeit mehr. Der Initiator der Neuerrichtung einer modernen Sternwarte war Friedrich Krüger (1887-1940), Professor für Mathematik und Physik. Als geeigneten Aufstellungsort für das neue Fernrohr wählte man den Turm des 1891 eröffneten Physikalischen Instituts der Universität. Von 1925 bis zum Krieg existierte ein Astronomisches Institut, dem das Observatorium unterstand. In den zwanziger und dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts diente die Sternwarte intensiver wissenschaftlicher Forschung. Dort lehrten und forschten der Mathematiker Alfred Klose (1895-1953) sowie der Astronom Erich Schönberg (1882-1971). Im Wintersemester 1930/31 kam Paul ten Bruggencate (1901-1961), der bekannteste unter den Greifswalder Astronomen, an die Universität. Ihm wurde bereits 1931 die selbständige Leitung des Astronomisch-Mathematischen Instituts übertragen. Leider blieb er nur wenige Jahre in Greifswald, 1935 ging er nach Potsdam und später nach Göttingen. Nach dem Krieg gab es in Greifswald keine astronomische Ausbildung und es wurden keine wissenschaftlichen Beobachtungen mehr durchgeführt. Einige Amateurastronomen wie H. Achterberg und P. Strübing kümmerten sich aber mit großem Enthusiasmus um die wertvollen Geräte der Sternwarte und hielten von Zeit zu Zeit öffentliche Vorträge. Seit 1988 ist das Observatorium wieder einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Mit Beobachtungsabenden, thematischen Vorträgen und Ausstellungen sollen dem interessierten Publikum Möglichkeiten zur Beschäftigung mit der Astronomie geboten werden. Im Jahre 1992 gründete sich der Verein „Greifswalder Sternwarte e.V.“. Das Hauptanliegen der Vereinsarbeit besteht in der ideellen und materiellen Förderung der astronomischen Bildung von Studenten, Schülern und an der Astronomie interessierten Bürgern. Diese Bemühungen entsprechen also genau dem Anliegen des Internationalen Jahres der Astronomie. Vielleicht blicken Sie, liebe Leser, im Jahr 2009 einmal öfter bzw. bewusster zum Firmament – bei einem Besuch der Greifswalder Sternwarte können Sie sicher mehr über den Sternhimmel erfahren.
Holger Kersten

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